Klassische Musik aus Vietnam: der Cai Luong GesangZum
Jahresende wandelt der Klangkosmos einmal mehr auf fast unberührten
Musikpfaden: am 14. Dezember geht die Reise ins exotische Südostasien,
nach Vietnam.
Das Land
hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Reiseziel
entwickelt, das seinem Besucher einiges zu bieten hat – auch
musikalisch. Westlicher Pop ist ebenso zu hören wie Chachachá,
vietnamesischer Rock’n’Roll und gefühlvolle Balladen. Doch neben diesen
mehr oder weniger bekannten Klängen und Melodien gibt es noch mehr zu
entdecken: den Cai Luong, eine einzigartige vietnamesische Volkskunst.
Es handelt sich dabei um eine Form der komischen Oper, die sich unter
dem Einfluss der französischen Kolonialherrschaft (1862-1954) aus den
traditionellen vietnamesischen Theaterstilen des Nordens - Hat Boi und
Hat Cheo – und der Kammermusik des Südens entwickelt hat. Bis heute ist
der Cai Luong Gesang tief in der vietnamesischen Kultur verwurzelt,
wenngleich sich die junge Generation nicht mehr so stark dafür
interessiert.
Das
wichtigste an der Oper ist natürlich die Musik, mehr als 70% der
Handlung findet in Liedform statt. Das vietnamesische Lied zeichnet sich
durch eine starke Beziehung zwischen Individuum, Musik und Text aus. Es
gibt sechs sprachliche Töne – so kann die gleiche Silbe eine
unterschiedliche Bedeutung haben, je nach der Höhe des gesprochenen
Wortes. Die Poesie des Textes hat eine „innere Melodie“, die von den
Sängern durch Emotionen vermittelt wird.
Die
Sängerin Huong Thanh wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) geboren. Sie
stammt aus einer berühmten Musikerfamilie, ihr Vater, Huu Phuoc, war
einer der besten Sänger des Cai Luong. Schon im Alter von zehn Jahren
begann sie selbst mit dem Cai Luong Gesang. Im Haus ihrer Eltern waren
häufig die besten Sänger der Zeit zu Gast, die sich neben ihrem Vater
als gute Lehrmeister für das junge Mädchen erwiesen. Mit 13 studierte
sie intensiv an verschiedenen Schulen für Musik und Theater, als
Sechzehnjährige gab sie ihr Bühnendebüt. 1977 zog sie nach Paris und hat
seitdem an zahlreichen Cai Luong Aufführungen in ganz Europa
teilgenommen. 1995 traf sie auf den Gitarristen Nguyên Le, der sie in
die Welt des Jazz einführte. 1996 sang sie auf Einladung der UNESCO bei
der Feier des Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte. Danach
tourte sie durch die Welt und nahm mehrere CDs auf. 2007 erhält sie den
„France Musique des Musiques du Monde“-Preis, der mit Studioaufnahmen
verbunden ist: sie reist nach Vietnam und wählt in Zusammenarbeit mit
traditionellen Musikern ein gutes Dutzend der beliebtesten Stücke aus
dem Cai Luong Repertoire aller drei Regionen ihres Heimatlandes aus und
spielt diese ein. Ihre Arbeit ist als Wiedergeburt dieses Gesangsstils
zu sehen, der im populären Bewusstsein des Landes immer noch verankert
ist. Huong Thanh ist es gelungen, das seit der Vereinigung von Nord- und
Südvietnam fast in Vergessenheit geratene Repertoire zu bewahren, das
ihr 1997 verstorbener Vater ihr als „Schatz“ hinterlassen hat.
Die
Sängerin verkörpert die Eigenschaften des traditionellen vietnamesischen
Gesangs mit feinem Tonfall, präzisen Ornamenten und Finesse. Im
Klangkosmos wird sie von Hong und Daniel Nguyen begleitet, die sie mit
traditionellem Instrumentarium wie z. B. Dan Bau (einsaitige Zither),
Dan Ty Ba (viersaitige Laute), Senh Tien (kastagnettenähnliche „Rassel“
mit Münzen) und Dan Nhi (Zweisaitige Kniegeige) musikalisch
unterstützen.
Das Konzert des Huong Thanh Trios beginnt um 17.30 Uhr in der
Lutherkirche (Martin-Luther-Straße 27b, 59065 Hamm), der Eintritt ist
wie immer frei!
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/781480.html
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